Überwachungskamera außen als Alarmanlage

Früher gab es klare Grenzen zwischen Videotechnik und Alarmtechnik. Alles, was mit Bildern und Dokumentation zu tun hatte, war dem Bereich Überwachunskameras & Co. zuzuordnen, alles was bei einem Einbruch Alarm gab, dem Bereich Alarmtechnik. Diese Grenzen verschwimmen immer mehr und viele Systeme stellen mittlerweile eher eine Kombination aus beidem dar - was mitunter sehr sinnvoll ist! Anlagen, die Bild- und Alarmtechnik kombinieren stecken noch in den Kinderschuhen und sind nicht immer günstig. Es lohnt sich also ein Blick auf schlanke Lösungen, deren Möglichkeiten selten ausgereizt und nicht wirklich einem breiten Publikum bekannt sind.

Eine Überwachungskamera außen z. B. an der Hausfassade anzubringen, ist in der Regel kein großer Eingriff. Dome Kameras die an einem Privathaus angebracht sind und so die Einfahrt oder ganz allgemein das Privatgrundstück überwachen, gehören mittlerweile zum Alltagsbild. Sicher, nach einer Straftat auf die Aufzeichnungen der Videokamera zugreifen zu können, ist Gold wert und ein wesentlicher Schritt zur Anhebung des eigenen Sicherheitsniveaus. Zudem wird die Arbeit der Polizei bei aussagekräftigen Aufnahmen erheblich erleichtert. Trotzdem geht es dabei leider immer nur um die Vergangenheit. Es ist schon geschehen und man kann nicht mehr eingreifen. Außer natürlich, der stolze Besitzer des Kamera Equipments verbringt tatsächlich 24 Stunden am Tag aufmerksam vor dem Überwachungsmonitor.

Und genau an diesem Punkt kann uns die neue "smarte" Technik helfen! Selbst Einsteigermodelle verfügen mittlerweile über Features, die noch vor ein paar Jahren undenkbar oder nur sehr hochpreisigen Modellen vorbehalten waren. Es werden nicht mehr nur stumpf Bilder übertragen und/oder aufgezeichnet. Die Bilder werden vielmehr analysiert und vorher festgelegte Reaktionen ausgelöst. Hier ein paar Beispiele solcher "smarter Funktionen" samt möglichem Anwendungsfall:

Linienübertritt Alarm (Line Crossing Alarm)

Der Alarm beim Übertreten einer (virtuellen) Linie gehört zu den einfacheren "smarten" Funktionen. Im Einstellungsmenü der Kamera lässt sich auf dem Bild eine Linie ziehen, die ein Objekt überschreiten muss, um einen Alarm auszulösen. Meist lässt sich eine Richtung bei der Überschreitung festlegen sowie eine Toleranz in Form einer Mindestgröße des Objekts. Mit Letzterem lassen sich Fehlalarme durch kleine Tiere recht gut unterdrücken.

Besucherzähler (Visitor Counter)

Diese Funktion ähnelt dem Linienübertritt Alarm, da auch hier meist eine Grenze im Eingangsbereich oder Durchgang eingezeichnet wird. Überschreitet eine Person die Linie, gibt es nicht unbedingt einen Alarm, aber der Übertritt wird für statistische Zwecke gezählt. Interessant ist dieses Feature z. B. im Einzelhandel, um Stoßzeiten auswerten und optimieren zu können.

Eindringalarm/ Einbruchalarm (Intrusion Detection)

Im Unterschied zum Alarm bei Linienübertritt lässt sich hier eine ganze Fläche virtuell auf dem Kamerabild einzeichnen und die Überschreitung der Linie wird von allen Seiten her überwacht. Diese Funktion eignet sich besonders für die Überwachung von Grundstücken und Privatanwesen, aber durchaus auch auf dem Betriebsgelände eines Unternehmens. Hier lassen sich größere Felder und Passagen markieren und durch die Festlegung einer Höchst- oder Mindestgröße des Objekts Fehlalarme vermeiden.

Alarm bei unbeaufsichtigtem Gepäck (Unattended Baggage Detection)

Diese Funktion dürfte bei Privatanwendern selten zum Einsatz kommen, sehr wohl jedoch an öffentlichen Plätzen und Einrichtungen, wie z. B. Bahnhöfen oder Flugplätzen. Überwachungskameras mit dieser Funktion erkennen Objekte, die relativ neu zum Bild hinzu gekommen sind und dort eine gewisse Zeit nicht mehr bewegt werden. Dies ist mitunter schwer aus unbedenklichen Sachverhalten herauszufiltern, aber durchaus möglich. Dies bei einem überfüllten Flughafen dem bloßen menschlichen Auge zu überlassen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Hier kann die Technik wichtige Dienste leisten.

Wegnahme Alarm (Object Removal Detection)

Während der vorher genannte Assistent auf längere Zeit abgestellte Objekte achtet, interessiert sich dieser Algorithmus für Objekte die bisher fester Bestandteil des Bildes waren und dann plötzlich verschwunden sind. Nach dem Differenzverfahren wird das bisherige Bild laufend mit dem neuen Bild verglichen und so z. B. die Entfernung von Bildbestandteilen wie Fahrzeugen oder Einrichtungsgegenständen detektiert.

Smart Tracking

In gewisser Weise ist diese Funktion die Königsdisziplin der smarten Funktionen. Hier wird nicht nur das Bild analysiert, hier folgt die Kamera einem möglichen Eindringling. Häufig ist Smart Tracking in Kombination mit anderen Assistenten im Einsatz. Anwendungsbeispiel: Der Eindringalarm aktiviert die Bewegungsverfolgung und die Kamera verfolgt eine Person auf dem Gelände. Der entscheidende Mehrwert dieser Funktion ist, dass ein Heranzoomen und die bildfüllende Darstellung des Eindringlings möglich ist - und in der Folge sehr aussagekräftige Aufnahmen.

Temperaturüberwachung

In Zeiten der aktuellen Corona Pandemie kann diese Funktion eine wichtige Unterstützung bieten. Freilich weniger im Privatsektor als z. B. im Bereich der Zutrittskontrolle zu öffentlichen Einrichtungen. Über verbaute Wärmebildkameras werden Temperatursignaturen auf den Körpern der Menschen sichtbar und eine Alarmierung bei Überschreitung eines bestimmten Grenzwertes ist möglich. Auch hier gilt: Je stoischer und langweiliger die Arbeit, die sonst ein Mensch übernehmen müsste, umso wertvoller ist die Unterstützung durch solche Assistenten.

Und was passiert dann? Die möglichen Reaktionen

Zumindest die wichtigsten smarten Features wurden nun vorgestellt. Die Frage bleibt nur: "Was passiert dann eigentlich im Alarmfall?" Das lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt sehr stark vom Kameramodell ab. Das Minimum ist meist der Versand einer Email im Moment des Alarms. Erhält man diese Email auf dem Handy, ist meist eine sehr zeitnahe und aussagekräftige Alarmierung möglich und man kann sofort handeln. Nicht selten wird mit dieser Nachricht gleich ein Bild mitgesandt, das im Moment der Auslösung gemacht wurde - oder gar eine kurze Videosequenz. Schnell lässt sich dann alleine durch diese Email ein Fehlalarm identifizieren. Durch diesen Mechanismus oder - Neudeutsch "Workflow" - lässt sich schon fast eine vollwertige Alarmanlage abbilden.

Denkbar ist auch der Start einer Durchsage über eingebaute Lautsprecher an der Kamera oder der Start einer Aufzeichnung, sofern nicht ohnehin permanent aufgezeichnet wird. Da der weitere Ablauf ausschließlich über Software abgebildet wird, ist grundsätzlich alles möglich. Spätestens durch die Anbindung von Workflow Designern oder If-This-Then-That-Generatoren in der Cloud des Herstellers kann der Kunde dann recht umfangreich festlegen, welche Reaktion bei welchem Ereignis angestoßen werden soll. Und spätestens das bietet dann einen größeren Funktionsumfang als die meisten normalen Alarmanlagen - kombiniert mit allen Funktionen einer Kameraüberwachung.

Fragen zu leistungsstarken Überwachungskameras und deren Einsatzmöglichkeiten? Werfen Sie einen Blick auf unser Angebot - wir beraten Sie gerne!

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.